Der Bernhardiner ist der Schweizer Nationalhund: groß, kräftig, freundlich und weltbekannt durch seine Geschichte als Hospizhund im Hochgebirge. Wer an ihn denkt, sieht vermutlich einen massigen weiß-roten Hund im Schnee vor sich. Im Alltag bekommt ihr einen Hund, der nach dem Standard eine Widerristhöhe von mindestens 65 bis 70 Zentimetern mitbringt und oft deutlich darüber liegt, mit viel Fell, viel Futterbedarf, Speichel im Haus und einigen Gesundheitsthemen, die zu großen Rassen gehören. In diesem ausführlichen Porträt erfahrt ihr, was die Rasse ausmacht, was sie im Alltag verlangt, worauf ihr bei Gesundheit und Züchterwahl achten solltet und für wen sie wirklich geeignet ist.
Steckbrief: Bernhardiner auf einen Blick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| FCI-Gruppe | Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer, Molosser, Schweizer Sennenhunde, Sektion Molosser, Berghundtyp |
| Herkunft | Schweiz |
| Verwendung | Laut Standard Begleit-, Wach- und Hofhund |
| Größe (Widerristhöhe) | Laut Standard bei Rüden 70 bis 90 cm, bei Hündinnen 65 bis 80 cm |
| Gewicht | Im Standard nicht festgelegt, Erfahrungswerte liegen bei erwachsenen Hunden je nach Geschlecht und Größe grob zwischen 60 und über 90 Kilo, kräftige Rüden können deutlich schwerer sein |
| Varietäten | Kurzhaar (Stockhaar, Doppelfell) und Langhaar |
| Farben | Weiß mit roten Platten bis zum geschlossenen roten Mantel, mit festgelegten weißen Abzeichen |
| Lebenserwartung | Bei Riesenrassen meist kürzer, Erfahrungswerte liegen häufig bei etwa 8 bis 10 Jahren, einzelne Hunde werden älter |
| Charakter | Laut Standard von Natur aus freundlich, Temperament ruhig bis lebhaft, wachsam |
| Bewegungsbedarf | Mittel: tägliche Spaziergänge in ruhigem Tempo, keine Dauerbelastung |
| Eignung | Erfahrene, ruhige Menschen mit viel Platz, Zeit und Budget |
Die Angaben entsprechen dem FCI-Rassestandard beziehungsweise Erfahrungswerten. Einzelne Hunde können abweichen.

Herkunft und Geschichte
Die Geschichte des Bernhardiners beginnt im Hochgebirge. Laut FCI-Standard wurde auf der Passhöhe des Großen St. Bernhard, in 2.469 Metern Höhe, im 11. Jahrhundert von Mönchen ein Hospiz als Zufluchtsort für Reisende und Pilger gegründet. Dort werden seit der Mitte des 17. Jahrhunderts große Berghunde zum Bewachen und Schützen gehalten. Bildlich sind solche Hunde seit 1695 belegt, schriftlich seit 1707 im Hospiz. Bald setzte man sie als Begleithunde und, so der Standard, vor allem als Rettungshunde für Reisende ein, die in Schnee und Nebel verirrt waren.
Berühmt wurde der Hund im 19. Jahrhundert durch Berichte über Menschen, die er aus dem „weißen Tod“ gerettet haben soll, und durch Erzählungen von Soldaten, die im Jahr 1800 mit Napoleons Armee den Pass überquerten. Der legendäre Hund „Barry“ wurde zum Sinnbild des Rettungshundes. Wie viele der erzählten Rettungen genau stimmen, lässt sich heute kaum nachprüfen, und auch das Bild vom Hund mit dem Branntweinfässchen am Halsband gehört eher zur Überlieferung und zu Bildmotiven als zu dem, was der Standard festhält. Sicher ist: Die direkten Vorfahren des Bernhardiners waren laut Standard die großen Hofhunde der Region. Innerhalb weniger Generationen wurden sie auf einen festgelegten Idealtyp hin zum heutigen Rassetyp entwickelt.
Die Rassezucht ist früh dokumentiert: Heinrich Schumacher aus Holligen bei Bern begann 1867 als Erster, Stammbäume für seine Hunde auszustellen. Im Februar 1884 wurde das Schweizerische Hundestammbuch begonnen, der allererste Eintrag war der Bernhardiner „Leon“, und auch die folgenden 28 Einträge betrafen Bernhardiner. Am 15. März 1884 wurde in Basel der Schweizerische St. Bernhards-Club gegründet. Am 2. Juni 1887 wurde die Rasse auf einem internationalen Hundekongress offiziell als Schweizer Rasse anerkannt und der Standard für verbindlich erklärt. Seitdem gilt der Bernhardiner als Schweizer Nationalhund.

Aussehen: Was der Standard beschreibt
Nach dem FCI-Standard gibt es zwei Varietäten, die Kurzhaar-Variante mit Stockhaar (Doppelfell) und die Langhaar-Variante. Beide sind von beträchtlicher Größe und beeindruckender Gesamterscheinung, mit ausgewogenem, kraftvollem, stabilem und muskulösem Körper, ausdrucksvollem Kopf und wachem Gesichtsausdruck. Das ideale Verhältnis von Widerristhöhe zu Körperlänge liegt bei 9 zu 10, der Hund ist also etwas länger als hoch. Der Kopf ist mächtig, imposant und sehr ausdrucksvoll, mit kräftigem, breitem Schädel, deutlich ausgeprägtem Stopp und breiter, schwarzer, eckiger Nase. Die Augen sind mittelgroß und dunkelbraun bis nussbraun, mäßig tief liegend und mit freundlichem Ausdruck. Der Standard wünscht ausdrücklich eine natürliche Straffheit der Lider.
- Größe und Gewicht: Die Widerristhöhe beträgt nach dem Standard bei Rüden mindestens 70 und höchstens 90 cm, bei Hündinnen mindestens 65 und höchstens 80 cm. Hunde, die die Höchstgröße überschreiten, werden nicht bestraft, wenn die Gesamterscheinung ausgewogen und der Gang einwandfrei ist. Ein Gewicht legt der Standard nicht fest.
- Farben: Grundfarbe ist Weiß mit kleineren oder größeren klaren roten Platten bis hin zum geschlossenen klar- bis dunkelroten Mantel auf Rücken und Flanken. Ein gebrochener rotbrauner Mantel ist gleichwertig, rotbraune Tigerung ist zulässig und braungelb wird toleriert. Dunkle Schattierungen am Kopf sind erwünscht. Verlangt sind weiße Abzeichen an Brust, Pfoten, Rutenspitze, Fang, Blesse und Nackenfleck, erwünscht sind ein weißer Kragen und eine symmetrische dunkle Maske.
- Fell: Beim Kurzhaar ist das Deckhaar dicht, glatt, anliegend und derb, mit reichlich Unterwolle und leichter Hose. Beim Langhaar ist es mittellang und glatt, mit reichlich Unterwolle, auf Kruppe und Hinterhand meist leicht wellig, mit befederten Vorderläufen, guter Hose und buschiger Rute.
- Rute und Gang: Die Rute ist lang und schwer und reicht mit dem letzten Wirbel mindestens bis zum Sprunggelenk. Der Gang soll harmonisch und raumgreifend sein, mit gutem Schub aus der Hinterhand bei stabilem, festem Rücken.
Der Standard führt außerdem Fehler und Ausschlussfehler auf. Zu den Ausschlusskriterien gehören unter anderem aggressive oder übermäßig scheue Hunde, Ektropium und Entropium (nach außen oder innen gerollte Lider), ein Fehlen der Grundfarbe und eine Größe unter dem Mindestmaß. Als schwerer Fehler gelten unter anderem starke Falten an Kopf und Hals. Die Rassebeschreibung wünscht also ausdrücklich keinen Hund mit übertriebenen Falten oder hängenden Lidern.
Wesen und Charakter
Der Standard beschreibt den Bernhardiner als von Natur aus freundlich, mit einem Temperament zwischen ruhig und lebhaft, dabei wachsam. Schwache Nerven, Aggressivität und übermäßige Scheu sind Ausschlusskriterien. Im Alltag erleben viele Halter einen gelassenen, menschenbezogenen Hund, der gern dabei ist und mit ruhiger Art auf sich aufmerksam macht. Dabei ist jeder Hund anders, und auch bei einer freundlichen Rasse hängt viel von Zucht, Sozialisierung und Erziehung ab.
Das bringt ein Bernhardiner mit
- Freundlichkeit: Er ist meist menschenbezogen und im Umgang mit Familie und Besuch aufgeschlossen, wenn er gut sozialisiert ist.
- Wachsamkeit: Der Standard nennt ihn wachsam. Er meldet, ist aber kein Schutzhund, und sein Auftreten wirkt allein durch die Größe.
- Ruhe: Viele erwachsene Bernhardiner sind im Haus gelassen und verbringen viel Zeit liegend.
- Eigener Kopf: Er ist selbstständig und lässt sich nicht herumscheuchen. Härte erreicht bei einem Hund dieser Größe nichts, Geduld und Konsequenz schon.
- Nähe: Er möchte bei seiner Familie sein und leidet unter langem Alleinsein.
- Langsame Reife: Große Rassen bleiben oft lange „Welpe im Riesenformat“, Erziehung und Geduld müssen entsprechend lange durchgehalten werden.

Haltung und Alltag
Bewegung und Beschäftigung
Ein Bernhardiner ist kein Hochleistungssportler, braucht aber regelmäßige Bewegung, damit er fit und schlank bleibt. Das gilt auf ruhigem Niveau: Junghunde dürfen nicht überfordert werden, und bei Wärme ist weniger oft mehr.
- Spaziergänge: Gemütliche, ausdauernde Runden, bei Wärme früh morgens und spät abends.
- Natur und Schnee: Viele Bernhardiner mögen Kälte und sind im Winter am aktivsten. Pflegt aber trotzdem die Pfoten, Streusalz reizt die Ballen.
- Zugarbeit: Manche Halter üben mit Karren oder Zuggeschirr, immer in sehr moderatem Umfang und nicht mit Junghunden, deren Gelenke noch wachsen.
- Nasenarbeit: Suchspiele und einfache Fährtenarbeit sind ruhige und gelenkschonende Auslastung.
- Denkspiele: Ideen findet ihr im Beitrag Intelligenzspielzeug für Hunde.
- Ruhe: Auch ein Bernhardiner braucht lange Ruhephasen, besonders nach dem Fressen.
Wohnung, Haus, Garten
Ein Bernhardiner passt am besten in ein Haus mit sicher eingezäuntem Garten und kühlen, schattigen Liegeplätzen. In einer Wohnung geht es nur mit ausreichend Platz, Erdgeschoss oder Aufzug, denn Treppen sind für einen schweren Hund auf Dauer eine Belastung, und ein verletzter oder alter Hund lässt sich nicht tragen. Plant auch das Auto: Ein ausgewachsener Bernhardiner braucht einen sehr großen Kofferraum und eine Rampe oder Einstiegshilfe, denn schweres Heben belastet euch und die Gelenke des Hundes. Das Alleinbleiben muss geübt werden und sollte begrenzt bleiben, mehr dazu im Beitrag Hund alleine lassen.
Familie und Kinder
Bernhardiner gelten als freundlich und geduldig. Wegen ihrer Größe können sie aber unabsichtlich umwerfen oder zerdrücken, und Welpen und Junghunde sind in ihrer Kraft schwer einzuschätzen. Kinder und Hund sollten nie unbeaufsichtigt sein, und der Hund braucht einen Rückzugsort, an dem er in Ruhe schlafen kann.
Sabbern und Schmutz
Die Lefzen des Oberkiefers sind laut Standard kräftig ausgeprägt, und viele Bernhardiner sabbern, vor allem nach dem Trinken und bei Aufregung oder Hitze. Dazu kommen Haare und Schmutz im Haus. Wer das nicht mag, sollte sich ehrlich fragen, ob dieser Hund zu ihm passt. Ein Tuch in Reichweite gehört in jeden Bernhardiner-Haushalt.

Erziehung und Training
Der Bernhardiner ist freundlich und lernbereit, aber eigenständig. Er braucht Konsequenz, Geduld und Lob. Wichtig ist, früh zu üben, denn ein erwachsener Hund mit 70 Kilo oder mehr, der an der Leine zieht oder anspringt, ist schwer zu halten. Bei Hunden dieser Größe zählt jede Gewohnheit doppelt.
| Thema | Typische Herausforderung | Was hilft |
|---|---|---|
| Leinenführigkeit | Zieht bei Aufregung mit viel Kraft | Früh üben, Geschirr mit Führung, Belohnung für lockere Leine |
| Anspringen | Begrüßt gern stürmisch, bei seiner Größe gefährlich | Vier-Pfoten-am-Boden belohnen, konsequent bleiben |
| Sabbern | Speichel an Möbeln, Wänden und Kleidung | Tücher bereithalten, Futter- und Wasserbereich schützen |
| Eigenwille | Bleibt stehen, wenn es ihm nicht passt | Ruhig bleiben, Motivation erhöhen, Pausen respektieren |
| Alleinbleiben | Trennungsstress | Kleinschrittig üben, Rituale |
| Pflege akzeptieren | Bürsten, Krallenschneiden, Untersuchung | Früh und positiv gewöhnen, kurze Einheiten |
| Hundebegegnungen | Meist freundlich, aber kräftig | Rückruf und Abbruchsignal früh trainieren |
Eine Hundeschule mit gewaltfreien Methoden und Erfahrung mit großen Rassen ist empfehlenswert. Das Gewicht des Hundes macht Fehler in der Erziehung schwerer, deshalb lohnt sich ein früher Start, und eine gute Sozialisierung in den ersten Lebensmonaten ist Pflicht, nicht Kür.
Pflege
- Bürsten: Beim Kurzhaar mehrmals pro Woche, im Fellwechsel täglich. Beim Langhaar häufiger, damit Hose, Federn und Rute nicht verfilzen.
- Fellwechsel: Bernhardiner verlieren viel Haar, ein starker Staubsauger gehört zum Haushalt.
- Baden: nur bei Bedarf und mit hundegeeignetem Shampoo, danach gründlich trocknen.
- Scheren: Das Fell schützt vor Wärme und Kälte, Scheren ist kein Hitzeschutz.
- Augen und Lefzen: Augen regelmäßig kontrollieren, Speichelreste und Feuchtigkeit in den Lefzen abwischen, damit die Haut trocken bleibt.
- Ohren: regelmäßig kontrollieren, bei Geruch, Rötung oder Kopfschütteln zur Praxis.
- Zähne: Zahnpflege nicht vergessen.
- Krallen und Pfoten: Krallen kürzen, Haare zwischen den Ballen kürzen und Pfoten nach Spaziergängen prüfen.
- Zecken und Parasiten: besonders in hohem Gras und im Wald, siehe Zecken beim Hund.
Ernährung
Große Rassen wachsen schnell, und Fehler in der Welpenfütterung belasten die Gelenke. Wählt ein Futter für große Rassen, füttert nach Anweisung der Praxis und achtet auf eine schlanke Linie, denn Übergewicht schadet Hüften, Ellbogen und Herz, siehe auch Fettleibigkeit beim Hund. Gebt große Portionen nicht in einer Mahlzeit, sondern verteilt auf zwei bis drei, und lasst euren Hund nach dem Fressen ruhen. Der Futterbedarf eines Bernhardiners ist hoch, rechnet beim Budget mit großen Mengen. Wiegt das Futter ab, rechnet Leckerlis in die Tagesration ein und nutzt den Futtermengen-Rechner. Das Idealgewicht prüft ihr mit dem Idealgewicht-Rechner. Mehr zur Fütterungshäufigkeit im Beitrag Wie oft am Tag sollte ich meinen Hund füttern?. Was nicht in den Napf gehört, zeigt die Ampel-Liste.
Gesundheit: Typische Erkrankungen
Der Bernhardiner ist wie viele große und schwere Rassen anfällig für bestimmte Erkrankungen. Seriöse Zuchtverbände untersuchen ihre Zuchttiere gezielt, fragt nach den Befunden. Der Standard hält fest, dass nur funktionell und klinisch gesunde Hunde mit rassetypischem Körperbau zur Zucht verwendet werden sollen.
| Erkrankung | Was dahintersteckt | Vorbeugung und Hinweise |
|---|---|---|
| Hüft- und Ellbogendysplasie | Fehlentwicklung der Gelenke, kann zu Schmerzen und Arthrose führen | Röntgenbefunde der Elterntiere, schlanke Linie, keine Überlastung im Wachstum |
| Magendrehung | Bei großen, tiefbrüstigen Hunden möglich, ein Notfall | Mehrere kleine Mahlzeiten, nach dem Fressen Ruhe, bei Symptomen sofort in die Klinik. Mit der Praxis lässt sich bei Risikohunden auch über eine vorbeugende Magenanheftung (Gastropexie) sprechen. |
| Herzerkrankungen | Bei großen Rassen kommen zum Beispiel Kardiomyopathien vor | Regelmäßige Kontrolle, bei Husten, Schwäche oder Ausdauerverlust zur Praxis |
| Kreuzbandriss | Häufig bei schweren Hunden, besonders bei Übergewicht | Gewicht halten, Muskulatur fördern, bei Lahmheit zur Praxis |
| Knochentumoren | Bei Riesenrassen insgesamt häufiger beschrieben als bei kleinen Hunden | Anhaltende Lahmheit oder Schwellungen immer abklären lassen |
| Augenerkrankungen | Lidfehlstellungen wie Entropium und Ektropium, im Standard Ausschlussfehler | Augenuntersuchung der Zuchttiere, bei Reizung oder Tränen zur Praxis |
| Hautprobleme und Hitzestau | Dichtes Fell, feuchte Lefzen, Hotspots und Hitzeempfindlichkeit | Pflege, Schatten, Kühlung, siehe Hitzschlag beim Hund |
Welche dieser Erkrankungen bei einem einzelnen Hund auftreten, ist offen, und nicht jede Linie ist gleich betroffen. Eine verantwortungsvolle Zucht ist die beste Vorbeugung, aber keine Garantie.
Zur Vorsorge gehören Impfungen und regelmäßige Kontrollen, mehr dazu im Beitrag Impfungen beim Hund.
Lebenserwartung
Riesenrassen leben im Durchschnitt kürzer als kleine Hunde, und der Bernhardiner bildet da keine Ausnahme. Als grober Erfahrungswert werden etwa 7 bis 10 Jahre genannt, belastbare Studien dazu sind rar. Manche Hunde werden älter, andere deutlich jünger. Wie lange euer Hund lebt, hängt von Zucht, Gewicht, Gelenken, Herz und Zufall ab. Ihr könnt viel für Lebensqualität tun: schlank halten, Gelenke schonen, Vorsorge ernst nehmen. Wer einen Bernhardiner aufnimmt, sollte sich darauf einstellen, dass die gemeinsame Zeit begrenzt ist, und sie bewusst genießen.
Kosten: Was ein Bernhardiner kostet
Die Preise für Welpen schwanken je nach Region, Verband und Gesundheitsuntersuchungen. Verlässliche Zahlen nennt euch der Zuchtverein oder die Züchterin direkt, fragt dort nach. Sehr niedrige Preise sind ein Warnsignal, denn Untersuchungen, Aufzucht und Tierarzt kosten Geld.
Dazu kommen laufende Kosten, und die fallen bei einem Hund dieser Größe deutlich höher aus als bei kleinen Rassen: große Futtermengen, höhere Medikamenten-Dosen, Narkosen, große Box, Rampe, stabiles Geschirr, große Betten. Das Auto muss groß genug sein, und bei Behandlungen von Gelenk-, Herz- oder Magenproblemen können hohe Tierarztkosten entstehen. Rücklagen oder eine Hundekrankenversicherung sind sinnvoll, beachtet Wartezeiten und Ausschlüsse. Mit dem Kostenrechner könnt ihr durchspielen, was monatlich auf euch zukommt. Infos zu Hundesteuer und Hundehaftpflicht findet ihr im Ratgeber.
Welpe: Worauf ihr bei der Wahl achtet
- Seriöse Zucht: Zuchtverbände mit Kontrollen sind ein guter Ausgangspunkt. Besucht den Betrieb, seht Mutter und Geschwister.
- Gesundheitsuntersuchungen: Fragt nach Hüft- und Ellbogenbefunden, Herzuntersuchung und Augenbefunden der Elterntiere.
- Farben und Abzeichen: Der Standard nennt Weiß mit roten Platten bis zum roten Mantel mit festgelegten weißen Abzeichen. Ein Hund, der einfarbig weiß oder einfarbig rotbraun ist, entspricht nicht dem Standard.
- Größe: Der Standard nennt 70 bis 90 cm bei Rüden und 65 bis 80 cm bei Hündinnen. Anbieter von „Riesen“ mit Übergröße sind kein Qualitätszeichen, und Hunde sollen laut Standard ausgewogen und mit einwandfreiem Gang sein.
- Aufzucht: Welpen sollten im Haus, mit Menschen und Alltagsgeräuschen aufwachsen.
- Sozialisierung: Die Welpen sollten Alltagsgeräusche und Menschen kennenlernen.
- Abgabealter: Nicht vor etwa acht Wochen, mit Impfungen, Entwurmung und Chip.
- Keine Spontankäufe: Vorsicht bei Anzeigen mit niedrigen Preisen oder Übergabe an Parkplätzen. Mehr im Beitrag Welpen kaufen: Worauf ihr achten solltet.
- Tierheim und Tierschutz: Bernhardiner und Mischlinge großer Rassen suchen ein Zuhause. Lasst euch zu Wesen, Gesundheit und Alltag ehrlich beraten.
Für wen ist der Bernhardiner geeignet?
| Passt gut, wenn ihr … | Überlegt es euch, wenn ihr … |
|---|---|
| Platz, ein Haus oder eine große Wohnung mit Aufzug und ein großes Auto habt | in einer kleinen Wohnung im Obergeschoss ohne Aufzug wohnt |
| Zeit für ruhige Erziehung und Pflege habt | wenig Zeit habt oder Haare und Sabber im Haus nicht mögt |
| Natur, kühles Wetter und gemütliche Runden liebt | einen sportlichen Hund für Joggen und Radfahren sucht |
| das Budget für einen Riesenhund einplant | Gesundheitskosten und Futterkosten scheut |
Ob der Bernhardiner zu euch passt, hilft euch auch der Rassenfinder. Eine Übersicht über Rassen für Einsteiger findet ihr im Beitrag Hunderassen für Anfänger. Weitere große, sanfte Familienhunde sind der Neufundländer und der Berner Sennenhund.
Die ersten Monate mit dem Welpen
| Zeit | Schwerpunkt | Tipps |
|---|---|---|
| Woche 1 bis 4 | Ankommen, Rituale, Stubenreinheit, viel Schlaf | Wenig Besuch, Rückzugsort, rutschfeste Böden, ruhige Eingewöhnung |
| Monat 2 bis 4 | Sozialisierung, Grundsignale, Leinenführigkeit | Viele ruhige Alltagsreize, kurze Übungen, Treppen und Sprünge vermeiden |
| Monat 4 bis 8 | Rückruf, Pflege üben, Ruhe lernen | Geschirr, Rituale, Bürsten positiv gestalten, kurze Spaziergänge |
| Ab Monat 8 | Pubertät, Struktur festigen | Konsequent bleiben, Gewicht im Blick, Gelenke schonen |
Bernhardiner wachsen sehr schnell und sind erst nach etwa zwei Jahren körperlich ausgereift. Kurze Runden, rutschfeste Böden und kein Springen schonen die Gelenke. Gewicht niedrig halten: Ein schlanker Welpe wächst gesünder als ein praller.
Ein typischer Tag
| Zeit | Aktivität |
|---|---|
| Morgens | Lösrunde, ruhiger Spaziergang, danach Frühstück |
| Vormittags | Ruhe, Kauartikel, kurze Trainingseinheit |
| Mittags | Kurze Lösrunde, Schatten und kühle Liegefläche |
| Nachmittags | Spaziergang, Pflege und Bürsten |
| Abends | Letzte Runde, Mahlzeit in Ruhe, Kuscheln und Schlaf |
Wichtig sind feste Ruhezeiten, vor allem nach dem Fressen. Im Sommer verlagert ihr Bewegung in kühle Stunden.
Hitze und Sommer
Der Bernhardiner stammt aus dem Hochgebirge, und sein dichtes Fell passt zu Kälte. Im Sommer kann Hitze für einen schweren, dicht behaarten Hund schnell gefährlich werden. Plant Spaziergänge früh und spät, bietet Schatten, kühle Fliesen und frisches Wasser, und lasst euren Hund nie im geparkten Auto. Die Symptome erkennt ihr im Beitrag Hitzschlag beim Hund.
Urlaub und Reisen mit dem Bernhardiner
Mit einem Bernhardiner reist ihr am einfachsten mit dem Auto. Plant Platz für Box oder Sicherung, Pausen, Wasser und Schatten. In Zug und Bus gelten Regeln für große Hunde, siehe Hund im Zug mitnehmen und Urlaub mit Hund. Flüge mit einem Hund dieser Größe sind aufwendig und belastend, ein Hundesitter oder Urlaub in den Bergen ist oft die bessere Wahl, siehe Hund im Flugzeug mitnehmen.
Der Bernhardiner im Alter
Große Hunde altern früher, ein Bernhardiner gilt oft schon mit sechs bis sieben Jahren als Senior. Jetzt sind Gelenk-, Herz-, Zahn- und Blutkontrollen besonders wichtig. Passt Bewegung und Futter an, haltet das Gewicht im Idealbereich und sorgt für weiche, rutschfeste Liegeplätze und Rampen statt Sprüngen. Plant früh, wie ihr euren Hund im Notfall tragen oder ins Auto bekommen würdet, denn bei einem schweren Hund wird Mobilität zur Alltagsfrage.
Mythen über den Bernhardiner
| Mythos | Was wirklich gilt |
|---|---|
| Bernhardiner tragen ein Fässchen mit Schnaps | Das ist ein Bildmotiv und eine Überlieferung. Der Standard nennt es nicht, und Aussagen über historische Rettungsleistungen sind kaum überprüfbar. |
| Er ist ein Rettungshund wie früher | Der Standard nennt heute Begleit-, Wach- und Hofhund als Verwendung. Die Rettungsgeschichte gehört zur Rassegeschichte. |
| Er ist zu gutmütig für Erziehung | Er braucht Regeln wie jeder Hund, besonders wegen seiner Größe. |
| Im Sommer schert man das Fell | Das Fell schützt auch vor Hitze, Scheren ist kein Hitzeschutz. |
| Große Hunde brauchen kaum Bewegung | Er braucht regelmäßige, aber gelenkschonende Bewegung. |
| Er ist ein Schutzhund | Er ist freundlich und wachsam, seine Größe wirkt, ein Schutzhund ist er nicht. |
Häufige Fragen
Ist der Bernhardiner ein guter Anfängerhund?
Er ist freundlich und lernbereit, aber groß, schwer und kostenintensiv. Mit Hundeschule, Platz, Zeit und Budget kann er auch Einsteigern gelingen, ehrlich gesagt ist er eher etwas für Menschen, die sich ihre Aufgabe gut überlegt haben.
Wie groß und schwer wird ein Bernhardiner?
Der Standard nennt eine Widerristhöhe von 70 bis 90 cm bei Rüden und 65 bis 80 cm bei Hündinnen. Ein Gewicht legt er nicht fest, in der Praxis sind es bei erwachsenen Hunden oft rund 60 bis 90 Kilo.
Wie viel Bewegung braucht ein Bernhardiner?
Mehrere gemütliche Spaziergänge am Tag, ohne Überlastung der Gelenke. Bei Hitze deutlich weniger.
Haart der Bernhardiner stark?
Ja, vor allem im Fellwechsel. Regelmäßiges Bürsten hält das Fell in Form und reduziert die Haare im Haus.
Sabbert ein Bernhardiner?
Viele tun es, besonders nach dem Trinken und bei Hitze oder Aufregung. Wie stark, hängt vom einzelnen Hund ab.
Kann der Bernhardiner allein bleiben?
Nur in kleinen Schritten und begrenzt. Er ist sehr menschenbezogen und leidet unter langem Alleinsein.
Wie lange wächst ein Bernhardiner?
Er wächst deutlich länger als kleine Rassen, Körper und Gelenke sind erst mit etwa zwei Jahren ausgewachsen. Bis dahin sollten Überlastung, Treppen und Sprünge vermieden werden.
Ist der Bernhardiner für Kinder geeignet?
Er gilt als freundlich und geduldig, ist aber sehr groß. Kinder und Hund sollten nie unbeaufsichtigt sein.
Sind Bernhardiner für Allergiker geeignet?
Sie haaren stark und sind für Allergiker in der Regel eher ungeeignet. Testet vor einer Anschaffung den Kontakt und sprecht mit eurer Ärztin.
Fazit
Der Bernhardiner ist ein freundlicher, ruhiger und wachsamer Familienhund mit großer Geschichte und beeindruckender Erscheinung. Er braucht Platz, Zeit, Pflege, Erziehung und ein stabiles Budget, und er bringt Haare, Sabber und gesundheitliche Risiken mit, die zu einem Riesen gehören. Wer ihm das bietet und eine gesunde Zucht wählt, bekommt einen treuen Begleiter, auch wenn das gemeinsame Leben kürzer ist, als man sich wünscht.
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Bildquellen: swisshippo / Adobe Stock (#55978217); sophie1404 / Adobe Stock (#474186319); rima15 / Adobe Stock (#178462875); Anton Pentegov / Adobe Stock (#2067049267); JLSnader / Adobe Stock (#73075000)
Stand: November 2026. Dieser Beitrag wurde redaktionell vom Hundefreund-Team erstellt und dient der Orientierung. Er ersetzt keine Beratung durch eine Tierarztpraxis oder einen seriösen Züchter. Angaben zu Gewicht, Lebenserwartung und Kosten sind Richtwerte, die Gesundheitsangaben ersetzen keine tierärztliche Untersuchung.
