Hund zieht an der Leine: So lernt er Leinenführigkeit

Du willst einen entspannten Spaziergang machen, aber dein Hund zieht, als gäbe es ein Wettrennen. Die Schulter schmerzt, die Laune sinkt, und aus der Gassirunde wird ein Kampf. Das Gute vorweg: Ziehen ist kein Zeichen von Dominanz oder Sturheit, sondern meist ganz normales Hundeverhalten, das sich lohnt. Und was sich lohnt, lässt sich auch umlernen. In diesem Ratgeber erfährst du, warum Hunde an der Leine ziehen, welche Grundlagen vor dem Training stimmen müssen, wie du in kleinen Schritten eine lockere Leine aufbaust, welche Fehler ihr vermeiden solltet und wie ein 14-Tage-Plan aussehen kann.

! Gelb: Das Wichtigste in KürzeHunde ziehen, weil es funktioniert: Wer zieht, kommt schneller zum Ziel. Das Training dreht diese Erfahrung um. Spannung bedeutet Stillstand, lockere Leine bedeutet Weitergehen und Belohnung. Wichtig sind Geduld, ein gut sitzendes Geschirr, viele kleine Übungseinheiten ohne Ablenkung und der Verzicht auf Leinenruck und schmerzhafte Hilfsmittel.

Warum ziehen Hunde an der Leine?

Wenn ein Hund zieht, steckt dahinter selten Absicht gegen dich. Meist kommen mehrere Dinge zusammen:

  • Es lohnt sich. Jeder Schritt, den der Hund mit gespannter Leine macht, bringt ihn dem Busch, dem Baum oder dem anderen Hund näher. Aus Sicht des Hundes war das Ziehen erfolgreich. Wiederholt sich das hundertmal, wird es zur Gewohnheit.
  • Das Tempo passt nicht. Viele Hunde gehen von Natur aus schneller als wir. Ein Trab oder zügiger Schritt ist für sie bequemer als unser gemütlicher Spaziergang.
  • Reize ziehen ihn an. Gerüche, andere Hunde, Katzen, Jogger, Fahrräder oder Vögel sind spannender als ein Mensch am anderen Ende der Leine.
  • Aufregung. Vor allem am Anfang des Spaziergangs sind viele Hunde so aufgeregt, dass sie gar nicht anders können, als nach vorn zu stürmen.
  • Fehlendes Training. Eine lockere Leine ist nichts, was ein Hund von selbst kann. Er muss sie lernen, so wie Sitz oder Platz.
  • Rasse und Veranlagung. Manche Rassen wurden dafür gezüchtet, vorauszulaufen, zu suchen oder zu ziehen (mehr dazu weiter unten).
  • Körperliche Gründe. Ein Geschirr, das scheuert oder drückt, Schmerzen oder zu wenig Auslastung können das Ziehen verstärken.

Interessant ist, dass auch das Gegenteil funktioniert: Ein Hund, der gelernt hat, dass sich Ziehen nicht auszahlt, hört irgendwann damit auf. Dazu brauchst du keine Härte, sondern Konsequenz und gute Belohnungen.

Hund stemmt sich an gespannter Leine nach vorn, ein anderer Hund wartet daneben

Erst die Grundlagen: Ausrüstung und Rahmenbedingungen

Bevor du mit dem Training beginnst, sollte die Technik stimmen. Mit schlecht sitzender Ausrüstung bringt auch der beste Plan wenig.

Geschirr oder Halsband?

Für das Training an der Leine nutzen viele Trainerinnen und Trainer ein gut sitzendes Brustgeschirr, weil der Druck sich auf den Körper verteilt und nicht auf den empfindlichen Hals wirkt. Ein breites, flaches Halsband kann bei ruhigen Hunden ebenfalls passen. Entscheidend ist, dass die Ausrüstung bequem sitzt, nicht scheuert und der Hund sich nicht herauswinden kann. Das Geschirr sollte die Schultern frei lassen und nicht einschnüren. Die Details zu Modellen, Passform und den Unterschieden findest du im Ratgeber Geschirr oder Halsband, hier gehen wir nur auf das Training ein.

Die richtige Leine

  • Länge: Für das Training eignet sich eine Leine von etwa 1,5 bis 2 Metern. Sie lässt dem Hund Spielraum und gibt dir trotzdem Kontrolle.
  • Material: Leicht und griffig, zum Beispiel Nylon oder Biothane. Ketten sind unnötig schwer.
  • Keine Flexileine für das Training. Eine ausziehbare Leine steht ständig unter leichter Spannung. Der Hund lernt dadurch, dass Zug dazugehört. Außerdem lässt sich die Spannung kaum fein steuern. Im Freilauf-Gelände kann sie ein Hilfsmittel sein, für das Lernen einer lockeren Leine ist sie ungeeignet.
  • Schleppleine ja, aber später. Sie eignet sich für Freilauf-Übungen im offenen Gelände, nicht als Ersatz für das Leinentraining.

Belohnungen, die wirklich zählen

Dein Hund arbeitet für das, was er toll findet. Nimm kleine, weiche und gut riechende Leckerlis in Erbsengröße, etwa Käsewürfel, Leberwurst aus der Tube oder Stückchen von Hundewurst. Du brauchst viele davon, denn am Anfang belohnst du alle paar Schritte. Rechne die Menge auf die Tagesration an, damit dein Hund nicht zunimmt. Manche Hunde arbeiten auch für Spiel oder ein Zerrspielzeug. Lässt dein Hund ein Leckerli links liegen, wähle etwas Besseres.

Rahmenbedingungen

  • Auslastung: Ein Hund, der zu wenig Bewegung und Kopfarbeit bekommt, ist am Training kaum interessiert. Vorher kurz spielen oder schnüffeln lassen hilft.
  • Ort: Starte in einer ruhigen Umgebung, zum Beispiel im Flur, im Garten oder auf einem ruhigen Parkplatz.
  • Hunger: Trainiere vor einer Mahlzeit, dann sind Leckerlis wertvoller.
  • Kurze Einheiten: Fünf bis zehn Minuten reichen am Anfang. Lieber öfter und kurz als selten und lang.
  • Gesundheit: Bei plötzlichem, neu auftretendem Ziehen oder Unruhe lohnt ein Blick zur Tierarztpraxis, zum Beispiel wegen Schmerzen oder Juckreiz am Geschirr.

Schritt für Schritt zur lockeren Leine

Das Ziel ist ein Hund, der seine Position neben oder vor dir hält und die Leine hängen lässt. Das lernt er in Stufen. Wichtig: Gehe erst zur nächsten Stufe, wenn die vorherige zuverlässig klappt.

Stufe 1: Aufmerksamkeit und Position aufbauen

Beginne ohne Bewegung. Stell dich mit deinem Hund an die Leine in einen ruhigen Raum. Sobald er dich anschaut oder neben dir steht, sagst du ein kurzes Markerwort wie „Fein“ oder „Yes“ und gibst ein Leckerli an der Stelle, an der du ihn später haben möchtest, also seitlich neben deinem Bein auf Höhe des Knies. Wiederhole das einige Male. So lernt dein Hund: Neben dir ist der beste Platz der Welt.

Frau hockt vor ihrem Hund im roten Geschirr und belohnt ihn

Stufe 2: Die ersten Schritte

Mach einen Schritt, dann zwei, dann drei. Bleibt die Leine locker, markierst du und belohnst in der Position. Gib deinem Hund immer wieder Gelegenheit, selbst herauszufinden, wo es sich lohnt. Dein Tempo bleibt ruhig und gleichmäßig. Starte lieber mit vielen kurzen Strecken als mit einem langen Weg.

Stufe 3: Wenn die Leine sich spannt

Spannt sich die Leine, gibt es drei bewährte, gewaltfreie Wege. Wähle einen und bleibe dabei:

MethodeSo geht esGut zu wissen
StehenbleibenSobald die Leine sich strafft, bleibst du ruhig stehen. Du ziehst nicht zurück. Sobald dein Hund zurückkommt, die Leine locker wird oder er dich anschaut, markierst du, belohnst und gehst weiter.Sehr klar für den Hund. Braucht Geduld, besonders am Anfang, weil ihr kaum vorankommt.
RichtungswechselBei Zug drehst du dich ruhig um und gehst in die andere Richtung. Dein Hund folgt, sobald er den Zug spürt. Beim Aufschließen markierst du und belohnst in Position.Hält den Hund aufmerksam. Nicht ruckartig drehen, damit er sich nicht wehtut.
Rückwärts lockenDu gehst ein, zwei Schritte rückwärts, lockst deinen Hund mit einem Leckerli in die Position und belohnst.Gut für Welpen und für Hunde, die schnell aufdrehen.

Wichtig ist, dass die Folge immer gleich bleibt: Spannung bringt dich nicht ans Ziel. Lockere Leine bringt Belohnung und Fortschritt. Ruckeln, Zerren oder Rufen solltest du vermeiden. Es verstärkt die Aufregung und zeigt dem Hund keine Lösung.

✓ Grün: Der Satz zum MerkenDein Hund muss nicht lernen, was er nicht tun soll, sondern wo er richtig ist. Belohne die Position, nicht den Fehler.

Stufe 4: Signal und Gewöhnung

Wenn dein Hund zuverlässig neben dir läuft, gibst du dem Verhalten ein Wort. Viele nehmen „Fuß“ für die enge Position und ein zweites Wort wie „Langsam“ oder „Locker“ für das entspannte Gehen an lockerer Leine. Wichtig ist der Unterschied:

SignalBedeutungWann einsetzen
FußEnge Position neben deinem Bein, hohe AufmerksamkeitBei Begegnungen, an Straßen, in engen Situationen
Locker / LangsamDie Leine hängt durch, dein Hund darf schnüffeln und seinen Radius nutzenAuf normalen Spaziergängen
Frei / LosAuflösung. Dein Hund darf schnüffeln oder zu einer Stelle gehenAls Belohnung, wenn die Leine locker war

Das Auflösungswort ist ein starkes Werkzeug: Wenn dein Hund zu einem interessanten Busch möchte, wartest du, bis die Leine locker ist, und sagst dann „Frei“. Dann darf er hin. So wird der Reiz zur Belohnung statt zum Auslöser fürs Ziehen.

Stufe 5: Ablenkungen langsam steigern

Erst wenn die lockere Leine in ruhiger Umgebung klappt, gehst du in schwierigere Situationen. Das nennt man Reizstufen:

  1. Wohnung oder Flur
  2. Garten oder ruhiger Hof
  3. Ruhige Straße ohne viel los
  4. Park mit etwas Betrieb
  5. Belebte Straße, Gehweg mit Fußgängern
  6. Begegnungen mit Hunden in Abstand
  7. Aufregende Orte wie Hundewiese oder Marktplatz

Klappt etwas nicht, gehst du einen Schritt zurück, in leichtere Bedingungen, und baust neu auf. Das ist kein Rückschritt, sondern der normale Weg beim Lernen.

Labrador-Mischling nimmt ein Leckerli aus der Hand, die Leine hängt locker

Welpen und erwachsene Hunde

Welpen

Bei Welpen beginnst du früh, aber spielerisch. Sie lernen schnell, haben aber eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und brauchen viele Pausen. Gewöhne sie zuerst im Haus an Geschirr und Leine, ohne dass sie etwas tun müssen. Wichtig ist, dass der Spaziergang nicht zur Überforderung wird: Kurze Runden, viel Schnuppern und einfache Übungen mit häufiger Belohnung. Wie ein guter Start im Alltag aussieht, liest du auch im Beitrag Welpe stubenrein bekommen.

Erwachsene Hunde

Auch ältere Hunde lernen noch eine lockere Leine. Das Training dauert oft länger, weil das Ziehen lange geübt wurde und sich bewährt hat. Plane mehr Geduld ein und starte in reizarmer Umgebung. Bei Hunden aus dem Tierschutz oder mit unklarer Vorgeschichte hilft es, zuerst Vertrauen aufzubauen und ruhig vorzugehen.

Senioren

Ältere Hunde ziehen manchmal mehr oder weniger als früher, etwa wegen Schmerzen, Muskelabbau oder nachlassendem Gehör. Wenn sich das Verhalten plötzlich ändert, lass die Gelenke und den allgemeinen Zustand tierärztlich prüfen.

Rassen und Veranlagung: Warum manche Hunde es schwerer haben

Jeder Hund ist ein Individuum, aber die Zuchtgeschichte prägt das Verhalten. Das erklärt, warum manche Rassen besonders zum Ziehen neigen:

TypBeispielWas dahintersteckt
SchlittenhundeSiberian HuskyGezüchtet, um mit Ausdauer zu ziehen. Zug an der Leine fühlt sich für viele Huskys natürlich an. Ruhiges Leinentraining braucht Geduld und Auslastung.
Laufhunde und JagdhundeBeagleDie Nase führt. Gerüche sind oft wichtiger als der Mensch. Hier hilft das Auflösungswort („Frei“, um zu schnüffeln) besonders gut.
HütehundeBorder Collie, Australian ShepherdSehr aufmerksam und schnell. Bewegungsreize wie Fahrräder oder Jogger können Ziehen und Fixieren auslösen. Klare Aufgaben und Auslastung helfen.
Große, kräftige HundeZum Beispiel Labrador, Boxer oder Doggen-TypenWegen ihrer Kraft ist früh geübte Leinenführigkeit besonders wichtig. Ein erwachsener Hund, der zieht, kann Besitzer von der Position reißen.
Kleine HundeZum Beispiel Dackel oder TerrierZiehen fällt weniger auf und wird deshalb oft nicht trainiert. Dabei kann es auch bei kleinen Hunden Hals und Rücken belasten. Das Training lohnt sich genauso.

Rassetypische Veranlagung ist kein Freifahrtschein, aber ein Hinweis, worauf du dich einstellen solltest. Mehr Zeit, mehr Wiederholungen und mehr Auslastung bringen hier meist die größeren Fortschritte als schärfere Hilfsmittel.

Hundebegegnungen an der Leine

Viele Hunde, die an der Leine ziehen, werden bei anderen Hunden noch unruhiger oder pöbeln. An der Leine können Hunde nicht ausweichen oder Abstand schaffen, das erhöht die Anspannung. Gleichzeitig übertragen wir als Besitzer Nervosität über die Leine. Diese Tipps helfen:

  • Abstand schaffen. Je weiter der andere Hund weg ist, desto leichter fällt deinem Hund die Entspannung. Wechsle die Straßenseite oder geh einen Bogen.
  • Belohne früh. Markiere und belohne, bevor dein Hund hochfährt, also schon beim ersten Blick auf den anderen Hund, wenn er noch ruhig ist.
  • Bleib locker. Atme ruhig, halte die Leine nicht stramm und bleib im Schritttempo. Eine kurze, straffe Leine kann beim Hund Anspannung auslösen.
  • Ziehe nicht zurück. Ein Ruck an der Leine verstärkt oft die Unruhe.
  • Übe mit bekannten, ruhigen Hunden. Verabrede dich mit Freunden und Hunden, die gelassen bleiben, und steigere die Nähe langsam.
  • Nicht jede Begegnung ist ein Treffen. Dein Hund muss nicht jeden Hund begrüßen. Auch Vorbeigehen ohne Kontakt darf geübt werden.
Malamute und Samojede begegnen sich entspannt auf einem Gehweg

Zeigt dein Hund bei Begegnungen starke Aggression, Panik oder Fixieren, ist ein erfahrener Hundetrainer oder eine Verhaltenstherapeutin die bessere Anlaufstelle als Trainingsversuche auf eigene Faust.

Typische Fehler und was stattdessen hilft

FehlerWarum das nicht hilftBesser so
Ruck an der LeineSchmerz und Schreck, der Hund lernt nicht, was er tun soll. Er kann sich verletzen und Spaziergänge mit Stress verbinden.Stehenbleiben oder Richtungswechsel, Belohnung für lockere Leine.
Stachelhalsband und andere schmerzhafte MittelVerboten. Sie verursachen Schmerzen und können Angst und Aggression verstärken.Gut sitzendes Geschirr, Training mit Belohnung.
InkonsequenzMal darf er ziehen, mal nicht. Der Hund lernt: Es lohnt sich zu probieren.Alle in der Familie halten dieselbe Regel ein. Zieht er, gibt es keinen Fortschritt.
Zu schnell zu viel AblenkungDer Hund ist überfordert und kann nicht lernen.Reizstufen langsam steigern, bei Misserfolg zurückgehen.
Zu wenig BelohnungDie lockere Leine bleibt uninteressant.Am Anfang häufig belohnen, dann langsam ausdünnen.
Flexileine im TrainingDauerspannung, Zug wird zur Normalität.Feste Leine von 1,5 bis 2 Metern.
Ungeduld und FrustDer Hund spürt deine Anspannung und wird selbst unruhiger.Kurze Einheiten, Pausen, bei Stress abbrechen.
Nur trainieren, wenn es schon eiltVor dem Arztbesuch oder beim Einkaufen ist keine Lernsituation.Feste Übungszeiten, in denen du Zeit hast.

Was sagt die Forschung zu Belohnung und Strafe?

Die Studienlage spricht klar für belohnungsbasiertes Training, auch wenn sie noch Lücken hat. Eine Studie der Forscherinnen und Forscher um Vieira de Castro (2020, PLoS ONE) verglich Hunde aus Hundeschulen in Portugal, die überwiegend mit Belohnung oder mit aversiven Methoden trainiert wurden. Hunde aus Schulen mit hohem Anteil aversiver Methoden zeigten im Training mehr Stressverhalten, höhere Cortisolwerte im Speichel nach dem Training und in einem Test eine „pessimistischere“ Bewertung mehrdeutiger Reize. Die Studie ist eine Beobachtungsstudie mit begrenzter Stichprobe, sie zeigt also Zusammenhänge und keinen endgültigen Beweis. Sie passt aber zu früheren Befragungen: In einer britischen Umfrage unter 364 Hundehaltern (Hiby, Rooney und Bradshaw, 2004, Animal Welfare) hing die Zahl der Aufgaben, die per Strafe trainiert wurden, mit mehr Problemverhalten zusammen, die Zahl der per Belohnung trainierten Aufgaben dagegen mit besserem Gehorsam. Auch hier gilt: Es sind Angaben der Besitzer, und Zusammenhang ist nicht gleich Ursache.

Für dich heißt das: Die vorhandenen Studien liefern keinen Hinweis auf einen Vorteil von Härte, aber gute Gründe für Belohnung und Geduld.

Rechtliches: Leinenpflicht und Hilfsmittel

Leinenpflicht in Deutschland

Die Leinenpflicht ist nicht bundeseinheitlich geregelt. Sie hängt vom Bundesland, von Landesgesetzen (zum Beispiel Hunde-, Wald-, Jagd- und Naturschutzgesetze) und oft von der Gemeinde ab. Häufig gilt in Städten, in Fußgängerzonen und in öffentlichen Gebäuden eine Leinenpflicht. In der Brut- und Setzzeit, meist etwa vom 1. April oder 1. März bis zum 15. Juli, gilt in vielen Regionen eine Anleinpflicht in Feld und Wald, die genauen Zeiten und Regeln unterscheiden sich aber. In Naturschutzgebieten besteht häufig eine ganzjährige Leinenpflicht. Frag deshalb bei Gemeinde oder Ordnungsamt nach, was an deinem Wohnort und an deinem Urlaubsziel gilt. Verstöße können Bußgelder nach sich ziehen. Wie die Haftung im Schadensfall aussieht, erfährst du im Beitrag zur Hundehaftpflicht.

Was die Tierschutz-Hundeverordnung sagt

Nach § 2 Absatz 5 der Tierschutz-Hundeverordnung ist es verboten, bei der Ausbildung, der Erziehung oder dem Training von Hunden Stachelhalsbänder oder andere für die Hunde schmerzhafte Mittel zu verwenden. Zusätzlich verbietet § 3 Nummer 5 des Tierschutzgesetzes, ein Tier auszubilden oder zu trainieren, wenn damit erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind. Das bedeutet für das Leinentraining: Ruck-Methoden mit Stachelhalsband oder ähnlichen Mitteln haben darin nichts zu suchen. Wer unsicher ist, ob ein Hilfsmittel erlaubt ist, fragt die Tierärztin, den Trainer oder das Veterinäramt.

Dein 14-Tage-Startplan

Der Plan ist ein Beispiel, kein Zwang. Passe das Tempo an deinen Hund an. Wenn eine Stufe nicht klappt, wiederhole sie ruhig, bevor du weitergehst.

TagZielÜbung
1 bis 2Position lernenIm Wohnzimmer oder Flur: Hund kommt neben dein Bein, Marker, Leckerli an der Position. 3 Mal 5 Minuten.
3 bis 4Erste SchritteZwei bis fünf Schritte gehen, locker belohnen. Beim Zug anhalten oder umdrehen.
5 bis 6Draußen ohne AblenkungGarten oder ruhiger Hof. Längere Strecken, aber alle paar Meter belohnen.
7Pause und RückblickNormaler Spaziergang, kurze Übungsphasen einbauen. Was klappt gut, was schwierig?
8 bis 9Signal einführen„Fuß“ und „Locker“ kennzeichnen, „Frei“ als Auflösung einsetzen.
10 bis 11Ruhige StraßeEinfache Umgebung, mit mehr Reizen. Belohnung weiter häufig.
12 bis 13AlltagssituationenBei Fußgängern oder Geräuschen üben, Abstand wählen, früh belohnen.
14Test und PlanungWie läuft es? Plane die nächsten Wochen. Belohnungen langsam, aber nicht zu schnell ausdünnen.

Nach den ersten zwei Wochen ist die Leinenführigkeit noch lange nicht fertig. Viele Hunde brauchen mehrere Wochen bis Monate, bis die lockere Leine auch in aufregenden Situationen klappt. Bleib dran, auch wenn es Rückschläge gibt. Rückschläge sind normal, vor allem in der Pubertät oder bei neuen Reizen.

Wann ihr eine Hundeschule oder Verhaltenstherapie braucht

  • Dein Hund ist so kräftig oder so aufgeregt, dass du ihn kaum halten kannst.
  • Er zeigt Aggression gegenüber Hunden, Menschen oder Fahrzeugen an der Leine.
  • Er hat Angst und verweigert Spaziergänge oder flüchtet.
  • Du kommst nach mehreren Wochen konsequenten Trainings nicht voran.
  • Das Ziehen hat plötzlich angefangen oder stark zugenommen.
  • Du fühlst dich unsicher oder hast Schmerzen bei der Führung (zum Beispiel in Schulter oder Handgelenk).

Achte bei der Wahl der Hundeschule auf gewaltfreies, belohnungsbasiertes Training. Du darfst ruhig zuschauen, bevor du dich anmeldest. Seriöse Trainer erklären ihre Methoden, arbeiten ohne Schmerz, Einschüchterung oder Leinenruck und passen das Training an Hund und Mensch an. Einen einheitlichen Standard für die Berufsbezeichnung gibt es in Deutschland nicht, deshalb ist ein persönliches Gespräch wichtig.

Häufige Fragen

Ab wann kann mein Welpe Leinenführigkeit lernen?

Von Anfang an, spielerisch und in kleinen Einheiten. Gewöhne ihn zunächst an Geschirr und Leine, dann folgen kurze Übungen mit Belohnung. Erwartet noch keine perfekte Leinenführigkeit, denn Welpen sind schnell abgelenkt und brauchen viel Geduld.

Wie lange dauert es, bis mein Hund nicht mehr zieht?

Das ist sehr unterschiedlich. Bei Welpen und jungen Hunden zeigen sich oft nach einigen Wochen erste Fortschritte. Bei erwachsenen Hunden, die jahrelang gezogen haben, kann es Monate dauern. Entscheidend sind Konsequenz, Häufigkeit des Trainings und die Reizstufen.

Soll mein Hund links oder rechts gehen?

Das ist egal. Wichtig ist, dass du eine Seite festlegst und beibehältst, jedenfalls solange er die Position lernt. In Jagd- oder Hundesport-Traditionen wird oft links geführt, im Alltag kannst du aber flexibel sein, sobald das Prinzip sitzt.

Muss mein Hund immer direkt neben mir laufen?

Nein. Im Alltag reicht eine lockere Leine, in der der Hund seinen Radius nutzen und schnüffeln darf. Die enge Position „Fuß“ brauchst du vor allem in engen Situationen, an Straßen oder bei Begegnungen.

Hilft ein Anti-Zug-Geschirr?

Spezielle Geschirre mit Führungsring an der Brust können das Ziehen mindern, weil sie den Hund bei Zug zur Seite lenken. Sie ersetzen aber kein Training und müssen gut passen. Nutze sie am besten als Unterstützung zusammen mit den oben beschriebenen Übungen und lass dich bei der Auswahl beraten.

Mein Hund läuft nur an der Leine perfekt, ohne Leine nicht. Warum?

Leinenführigkeit und Freilauf sind zwei verschiedene Lektionen. An der Leine lernt der Hund Position und Spannung, im Freilauf zählen Rückruf und Orientierung am Menschen. Trainiere beides getrennt, zum Beispiel mit einer Schleppleine im offenen Gelände.

Darf ich mit meinem Hund joggen oder Rad fahren, wenn er zieht?

Dafür sollte die Leinenführigkeit zuerst im normalen Gehen sitzen. Sport an der Leine erfordert besondere Ausrüstung, einen gesunden, ausgewachsenen Hund und eine Absprache mit der Tierarztpraxis. Bei Welpen und Junghunden belastet zu frühes Laufen die Gelenke.

Fazit

Ziehen an der Leine ist kein Charakterfehler, sondern ein erlerntes Verhalten, das du mit Geduld und klaren Regeln verändern kannst. Sorge für gut sitzende Ausrüstung, belohne die lockere Leine großzügig, steigere die Ablenkung langsam und verzichte auf Ruck und schmerzhafte Hilfsmittel. So wird aus dem Zerren ein entspanntes Gehen, und der Spaziergang macht euch beiden wieder Freude.

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Bildquellen: Titelbild: gabesdotphotos photographer / Pexels; Hund zieht: gabesdotphotos photographer / Pexels; Training und Belohnung: Samson Katt / Pexels; Leckerli: Natalia Sevruk / Pexels; Hundebegegnung: Haberdoedas Photography / Pexels

Quellen: Tierschutz-Hundeverordnung § 2 Abs. 5 und Tierschutzgesetz § 3 Nr. 5 (gesetze-im-internet.de); Vieira de Castro et al. (2020), Does training method matter? Evidence for the negative impact of aversive-based methods on companion dog welfare, PLoS ONE 15(12): e0225023; Hiby, Rooney & Bradshaw (2004), Dog training methods: their use, effectiveness and interaction with behaviour and welfare, Animal Welfare 13: 63–69.

Stand: November 2026. Dieser Beitrag wurde redaktionell vom Hundefreund-Team erstellt und dient der Orientierung. Er ersetzt keine Beratung durch eine Tierarztpraxis oder Hundetrainerin. Bei Aggression, Angst oder plötzlich neu auftretendem Ziehen sprecht bitte mit einer Tierarztpraxis oder einer Verhaltenstherapeutin.